Vortrag-Vorschau-01.06.23

„Umgang mit einer chronischen/tabuisierten Krankheit – wie damit klarkommen, ohne sich zu verlieren?“

Vortrag von Claudia Effertz und anschließendes Podiumsgespräch mit Aktiven aus der Selbsthilfe, 01.06.2023.

Chronische Schmerzen, bleibende Beschwerden und zunehmende Erschöpfung – da ist es oft schwer, die richtige Diagnose und gut informierte Ansprechpartner zu finden. Den langen, zermürbenden Weg bis zur Diagnose beschrieb Claudia Effertz eindringlich zu Beginn ihres Vortrags. Sie ist selbst Betroffene der Stoffwechselkrankheit Lipödem, aktiv im Vorstand der medizinischen Fachgesellschaft Lipödem Gesellschaft e.V. und parallel dazu in der Selbsthilfe. Gerade bei einer mit Vorurteilen behafteten Erkrankung wie dem Lipödem mündet die Ratlosigkeit der Ärzte immer wieder auch in bagatellisierende Reaktionen oder herabwürdigende Unterstellungen. Viele Betroffene haben Sätze wie „So schlimm wird es schon nicht sein!“ oder „Sie essen wahrscheinlich zu viel Schokolade.“ schon gehört. So kommen zu den Schmerzen noch Gefühle von Scham und Demütigung hinzu. Claudia Effertz machte Mut, auch unter diesen Bedingungen nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Durch Achtsamkeit und mentales Training könne man sich immer wieder fürs Weitermachen stärken. Als eine ganz praktische Hilfe bei stark frustrierenden Gedanken zeigte sie dem Publikum eine Übung mit geleiteten Augenbewegungen.

Frau Effertz erläuterte, wie die Diagnose einer chronischen Erkrankung einen langen inneren Verarbeitungsprozess auslöst. Auf eine Phase des anfänglichen Widerstands folgt eine emotional sehr belastende Phase des allmählichen Akzeptierens. Erst in der darauffolgenden Phase des Ausprobierens werden dann Lösungen gefunden mit der Erkrankung zu leben – ihr manchmal sogar etwas Gutes abzugewinnen.

Collage-Podium01.06.23

Zwei Vertreterinnen aus der Selbsthilfe für Multiple Sklerose und Lipödem unterstrichen mit berührenden Erfahrungsberichten im Podiumsgespräch die Aussagen des Vortrags. Eine Selbsthilfegruppe an der Seite zu haben, erleben die Betroffen als sehr unterstützend: Man hört, dass Andere ähnliches erlebt haben, und kann auch traurige Momente teilen. In der Selbsthilfegruppe haben sie aber auch Vorbilder gefunden, die bereits gute Wege im Umgang mit der Krankheit und eine positive Haltung entwickeln konnten. Auch kann die Selbsthilfe Einfluss auf das Gesundheitssystem nehmen, um Verbesserungen bei Diagnose und Therapie zu erreichen. Das gibt neue Energie. Damit zeigte der der Nachmittag ermutigende Wege, wie es gelingt mit einer chronischen Krankheit klar zu kommen, ohne sich zu verlieren.