Lena Kuhlmann-Lesung

„Psyche? Hat doch jeder!“

Charmant nimmt Lena Kuhlmann das Publikum mit und liest aus Ihrem  Buch „Psyche? Hat doch jeder!“. Sie greift die Themen psychische Erkrankungen und die damit verbundenen Vorurteile und Stigmatisierung auf. Dabei betont sie, dass niemand vor einer seelischen Erkrankung gefeit ist und es daher falsch ist, darüber zu urteilen. Im Gegensatz zu einem Knochenbruch sind psychische Leiden nicht sichtbar, was oft dazu führt, dass sie nicht ernst genommen werden.

Ein zentrales Thema des Buches ist das subjektive Empfinden von psychischen Erkrankungen und die Wege und Grenzen einer Psychotherapie. Jeder Mensch erlebt sie anders und es ist wichtig, dies zu respektieren und zu verstehen. Die Autorin plädiert dafür, dass Psychotherapie nicht als Stempel angesehen werden sollte, den man nicht mehr loswird. Vielmehr sollte es als bewundernswert betrachtet werden, wenn jemand an sich arbeitet und versucht, seine psychische Gesundheit zu verbessern und einen Umgang mit seiner Erkrankung findet.

Lena Kuhlmann

Ein weiterer wichtiger Aspekt den sie betont  ist die Selbstfürsorge der Angehörigen von psychisch Erkrankten. Oftmals vergessen sie ihre eigenen Bedürfnisse und kümmern sich ausschließlich um den Betroffenen. Die Autorin ermutigt dazu, auch an sich selbst zu denken und sich um die eigene mentale Gesundheit zu kümmern.

Abschließend betont Lena Kuhlmann die Bedeutung der Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen. Es ist wichtig, dass diese nicht länger tabuisiert werden und Betroffene offen über ihre Erfahrungen sprechen können, ohne Angst vor Vorurteilen oder Diskriminierung haben zu müssen.

Das wird im anschließenden Podiumsgespräch und der Diskussion mit dem Publikum dann auch deutlich.  „Die Suche nach einem Therapieplatz und die vielen Diskussionen mit den Menschen wegen meiner Schmerzen und der daraus entstanden Depression waren sehr anstrengend.  Aber mir hilft die Erfahrung anderer in der Selbsthilfe sehr.“  Das Buch und auch die Lesung sind Mittel zur Aufklärung und Lena Kuhlmann hofft eine Veränderung in der Gesundheitsversorgung psychisch erkrankter Menschen angestoßen zu haben.  Eine Besucherin bestätigt:  „Ich muss nicht jeden  Tag so funktionieren, wie andere es gerne hätten.“

Die Autorin beendet die Lesung dann auch nicht mit einem Punkt, sondern mit einem Semikolon. Immer mehr Betroffene lassen sich dieses als Zeichen tätowieren. Es symbolisiert eine Fortsetzung. Das Leben ist für den Betroffenen noch nicht beendet nur weil eine seelische Erkrankung vorhanden ist. Es besteht für die Betroffenen und Angehörigen Hoffnung auf Hilfe und es gibt Unterstützung in einer Vielzahl von Selbsthilfegruppen. Das Semikolon ist gleichermaßen eine Mahnung und soll Mut machen.collage-Psyche hat doch jeder

Text: Kerstin Gieser

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